Deutsch | English  

Nachhaltigkeitskriterien

Die Nachhaltigkeitskriterien auf MAVOLU wurden von Ottavia Pasta entworfen und sollen die positiven Eigenschaften der jeweiligen Produkte sowohl in der Beschaffungskette, als auch in der Nutzerphase verdeutlichen. Zusätzlich dazu vereinfachen sie die Navigation im Online Shop, wenn man die Suche an Hand von bestimmten Eigenschaften eingrenzen möchte (z.B. vegane Produkte). Durch das Anklicken des jeweiligen Icons auf der Seite der Nachhaltigkeitskriterien kann man somit einfach nach bestimmten Merkmalen filtern. Während die meisten Icons relativ selbsterklärend sind, besteht bei anderen eventuell noch ein wenig Erläuterungsbedarf. Daher findest du in der folgenden Tabelle jedes Nachhaltigkeitskriterium ausführlicher erklärt:

Im Gegensatz zu synthetischen Fasern stammen die meisten natürliche Fasern von Pflanzen oder Tieren ab. Pflanzliche Fasern können entweder aus dem Stamm (z.B. Bananenfaser), den Blättern (z.B. Ananasfaser), oder den Samen (z.B. Baumwolle) einer Pflanze gewonnen werden. Seide und Wolle wiederum sind zwei bekannte Beispiele für Fasern, welche von Tieren gewonnen werden.

Synthetische Fasern wie sind zwar oft langlebiger, günstiger in der Herstellung und haben eine Vielzahl an positiven Eigenschaften in der Nutzung (tendieren zum Beispiel weniger dazu zu knittern oder beim Waschen einzugehen), benötigen aber in der Herstellung eine große Menge an Petroleum. Naturfasern zeichnen sich im Gegensatz dazu durch eine gute Atmungsaktivität und Feuchtigkeitsaufnahme aus. Zusätzlich dazu sind natürliche Fasern erneuerbar und biologisch abbaubar (soweit sie während des Produktionsprozesses nicht mit schädlichen Chemikalien behandelt wurden).

Naturfasern sind allerdings nicht automatisch umweltfreundlicher als synthetische Fasern - der Anbau von gewöhnlicher Baumwolle benötigt zum Beispiel im Vergleich zu anderen Fasern weitaus größere Mengen an Wasser. Allerdings gibt es auch eine Vielzahl an Naturfasern, welche zum einen ressourcenschonend sind, und zum anderen positive Eigenschaften in der Nutzung aufweisen - zu diesen zählen unter anderem Bio-Baumwolle, Hanf, Ramie, Bananenfaser und Ananasfaser. Mehr Informationen zu diesen Fasern findet ihr auch in der Materialbibliothek.

Die Weltbevölkerung wächst beständig, und mit ihr auch der Verbrauch von wichtigen Ressourcen wie Wasser, Öl und landwirtschaftlicher Fläche. In Folge dessen werden unsere natürlichen Ressourcen ständig knapper. Um den Verbrauch von natürlichen Ressourcen innerhalb der Textilindustrie zu verringern, gab es innerhalb der letzten Jahre immer mehr Forschung im Bereich der Faserbeschaffung aus Beiprodukten oder “Abfall”. Manche Firmen haben in Folge dessen mittlerweile erfolgreich innovative Fasern und Materialen aus landwirtschaftlichen Beiprodukten erschaffen. Eines der wohl bekanntesten davon ist Piñatex, ein Leder-ähnliches Material, welches aus den Blättern der Ananaspflanze hergestellt wird. Da die Blätter ein Beiprodukt der Lebensmittelindustrie sind, wird für den Anbau keine zusätzliche landwirtschaftliche Fläche oder zusätzliches Wasser benötigt. Andere Beispiele für Fasergewinnung aus “Abfall” sind Bananenfaser (aus dem Pseudostamm der Bananenpflanze) und Sojafaser (ein Beiprodukt der Tofuproduktion und Sojaverarbeitung). Mehr Informationen zu diesen Fasern findet ihr auch im Blog.

Innerhalb der Textilindustrie gibt es eine Vielzahl an verschiedenen Siegeln und Zertifikaten, was für Konsumenten zum einen oft verwirrend sein kann, und es zum anderen schwer macht, die glaubwürdigen Zertifizierungen von den unglaubwürdigen zu unterscheiden. Eines der bekanntesten Zertifikate ist der Global Organic Textile Standard (GOTS). Anders als viele ander Zertifizierungen bezieht sich der Global Organic Textile Standard auf die gesamte Beschaffungskette des Produktes - von der Fasergewinnung bis hin zum fertigen Kleidungsstück. Cocccon ist ein gutes Beispiel für eine Firma, welche gewaltfreie Peace Silk herstellt, die zudem GOTS zertifiziert ist. Der Herstellungsprozess geschieht ohne den Einsatz von Chemikalien, und das Unternehmen hat zudem hunderte von fair bezahlten Jobs in der ländlichen Gegend von Jharkhand geschaffen. Zusätzlich dazu sind auch die Schals von Folklorica GOTS zertifiziert - die gesamte Kollektion findet ihr hier.

Wie bereits erwähnt verbrauchen wir von Jahr zu Jahr eine größere Menge an natürlichen Ressourcen. In Kombination mit der wachsenden Weltbevölkerung führt dies zu einer ansteigenden Knappheit von wichtigen Ressourcen wie Wasser und Öl. Für die Textilindustrie gibt es verschiedene Optionen, die zu einem geringeren Verbrauch an natürlichen Ressourcen führen. Eine der wichtigsten Optionen ist die Nutzung von recycelten Fasern an Stelle von neu produzierten Fasern (virgin fibres). Recyceltes Polyester und regeneriertes Nylon (z.B. Econyl) verbrauchen beispielsweise nur etwa die Hälfte an Ressourcen, welche zur Herstellung von neuen Fasern nötig wären.

Zusätzlich dazu ist auch die Fasergewinnung aus “Abfall” oder Beiprodukten ein gutes Beispiel dafür, wie der Verbrauch von Wasser, Energie und landwirtschaftlicher Fläche verringert werden kann. Einige Beispiele hierfür können unter dem Nachhaltigkeitskriterium “from waste to value” und in der Materialbibliothek gefunden werden.

Nicht erst seit dem Desaster von Rana Plaza ist uns bewusst, dass Arbeitskräfte in der Textilbranche oft schlechte Arbeitsbedingungen, unfaire Löhne und eine Vielzahl an Überstunden ertragen müssen, und ihnen zudem untersagt wird, sich zu Gewerkschaften zusammen zu schließen. Doch vor allem in der Vorweihnachtszeit und durch bekannte Rabatt-Aktionen wie dem Black Friday rücken diese Probleme oft in den Hintergrund. Aber da sinnloser Konsum in direkter Verbindung mit schlechten Arbeitskonditionen steht, ist es dringend notwendig unser Einkaufsverhalten zu überdenken, wenn wir wirklich etwas gegen unfaire Arbeitsbedingungen bewirken wollen.

Andererseits gibt es aber natürlich auch immer mehr Designer und Labels, die großen Wert auf faire Arbeitsbedingungen und ethische Produktionsweisen legen. Jedes Label auf MAVOLU z.B. stellt die Produkte entweder selbst lokal her (z.B. Eve & Adis), oder achtet darauf, dass die Artikel unter guten Arbeitsbedingungen hergestellt, und den Arbeitern faire Löhne gezahlt werden. Die vollständige Liste aller Labels findet ihr hier.

In unserer globalisierten Welt war es nie einfacher, die Produktion von Textilien ins Ausland zu verlegen, wo die Löhne nach wie vor oft deutlich niedriger sind. Dadurch ist es aber oft auch schwieriger, Arbeitsbedingungen und das Einhalten von Richtlinien vor Ort zu überprüfen. Lokale Produktion bietet hingegen mehr Transparenz, unterstützt örtliches Handwerk, und reduziert schädliche Emissionen durch kürzere Transportwege. 

Labels wie Marina Kleist zeigen, dass es in der Tat möglich ist, die komplette Beschaffungskette lokal zu halten. Alle Materialien für ihre Kork Taschen stammen aus Europa, und die Taschen selbst werden von ihr in den Niederlanden hergestellt. Mehr Informationen zu dem Label und Marinas Hintergrund findet ihr in einem Interview auf dem Blog.

Eine vegane Lebensweise bezieht sich nicht mehr länger nur auf Essen und Getränke, sondern wird auch innerhalb der Modebranche immer bedeutender. Die Anzahl der Designer und Labels, welche sich dazu entschließen, nicht mit tierischen Produkten (z.B. Leder, Pelz, Wolle oder Seide) zu arbeiten, steigt stetig. Labels wie Artelusa zum Beispiel stellen Taschen aus Kork her, die sowohl umweltfreundlich, als auch PETA approved vegan sind. 

Zusätzlich dazu bringt auch die Forschung im Bereich von veganen Alternativen ständig neue und innovative Materialien auf den Markt. Vor allem im Bereich der Lederalternativen gibt es bereits sehr vielversprechende Materialien, wie z.B. Apfelleder (Nuuwaï), Muskin (ein Material aus Pilzen), Malai, und natürlich Piñatex (eine Lederalternative aus Ananasfasern).

Die meisten der auf MAVOLU angebotenen Produkte sind vegan, mit der Ausnahme von Artikeln aus Peace Silk (gewaltfrei hergestellte Seide). Während Peace Silk wie auch konventionelle Seide zu den Tierprodukten zählt, sind diese Produkte zwar nicht vegan, wurden jedoch immerhin auf gewaltfreie Weise hergestellt. Als Teil der Peace Silk Produktion können die Seidenraupen (im Gegensatz zu konventioneller Seidenproduktion) ihren Kokon verlassen, bevor dieser zu Garn verarbeitet wird.

Der derzeit größte Produzent von GOTS zertifizierter Peace Silk ist Cocccon. Auf ihrem Anbaugebiet in Jharkhand (Indien) wird sicher gestellt, dass jede Seidenraupe die Metamorphose durchlaufen kann, bevor der Kokon versponnen wird. 

Weiter Informationen zu den Vorteilen von Peace Silk Produktion im Vergleich zu gewöhnlicher Seidenproduktion gibt es auch im Blog.

Kleidung aus biologisch abbaubaren Stoffen stellen eine gute Möglichkeit zur Reduzierung unserer Umweltbelastung dar. Naturfasern, deren Verarbeitung ohne Chemikalien auskommt (wie z.B. Bio-Baumwolle, Hanf, Peace Silk oder Ramie) sind auf natürliche Weise kompostierbar und können innerhalb einer relativ kurzen Zeit biologisch abgebaut werden. Zusätzlich dazu hat die österreichische Firma Lenzing es geschafft, zwei Viskose Stoffe herzustellen, welche ebenfalls komplett biologisch abbaubar sind. Der von dem Unternehmen produzierte Tencel und Modal Stoff wird aus nachwachsenden Zellulose Pflanzen und mit Hilfe eines umweltfreundlichen Produktionsprozesses hergestellt. Beide Fasern sind als kompostierbar und biologisch abbaubar zertifiziert und können nach der Nutzerphase komplett zum natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden.

Weitere Kleidung aus biologisch abbaubaren Stoffen findet ihr hier.

Die menschliche Haut ist das größte Organ unseres Körpers, und für die meiste Zeit des Tages in direktem Kontakt mit Kleidung. Da manche der Chemikalien, welche im Produktionsprozess verwendet werden, auch nach dem Waschen noch in unserer Kleidung bleiben, werden sie in Folge dessen auch von unserer Haut absorbiert. Die Nutzung von Chemikalien in der Textilindustrie ist jedoch nicht immer vermeidbar - manche Chemikalien werden zum Beispiel benötigt, um Zellulose in brauchbare Garne und Stoffe für die Modebranche zu verarbeiten. Dazu zählen auch sämtliche Viskose Stoffe wie z.B. Tencel, Modal und Bambus. Andere Chemikalien wiederum werden zur Veredelung und zum Einfärben benötigt.

Zertifizierungen wie GOTS und Oeko Tex können sehr hilfreich sein, wenn man speziell nach Kleidung und Textilien sucht, die vollkommen unbedenklich für die menschliche Haut sind. Weitere Kleidung und Accessoires aus natürlichen Fasern, welche ohne die Verwendung von schädlichen Chemikalien hergestellt wurden, findet ihr hier.

Recycling spielt eine große Rolle wenn es um Nachhaltigkeit geht, und sorgt dafür, dass wertvolle Ressourcen nicht auf der Müllhalde landen, sondern wiederverwendet werden. Eine der bedeutendsten Entwicklungen innerhalb der Textilbranche ist die Verwendung von recyceltem Polyester und regeneriertem Nylon (z.B. Econyl). Im Gegensatz zu gewöhnlichem Polyester, dessen Produktion große Mengen an Petroleum verbraucht, wird recycelter Polyester hauptsächlich aus PET hergestellt. PET ist das selbe Material welches für Plastikflaschen verwendet wird, und indem aus dem gebrauchten PET Stoff hergestellt wird, landet letztendlich weniger Plastik auf Müllhalden.

Econyl hingegen ist ein regeneriertes Nylon Garn, welches von der italienischen Firma Aquafil entwickelt wurde. Es besteht sowohl aus Post-Consumer Abfall, wie z.B. gebrauchten Fischernetzen, als auch aus Pre-Consumer Abfall in der Form von Stoffresten. Der Abfall wird weltweit gesammelt um dann in Slovenien als Teil eines closed-loop Systems in ein zu 100% erneuertes und erneuerbares Nylon umgewandelt zu werden. 

Mehr Informationen zu recyceltem Polyester und Econyl findet ihr auch in der Materialbibliothek. Alle Produkte, welche entweder komplett oder zum Teil aus recycelten Materialien bestehen, oder nach ihrem Nutzen vollständig recycelt werden können, findet ihr hier.

Während reguläres Recycling oft ein “downcycling” Prozess ist, der nicht mehr benötigte Produkte zu weniger hochwertigen Produkten verarbeitet (z.B. Kleidung zu Füllstoff für Automobilsitze), besteht das Konzept von Circularity bzw. Kreislauffähigkeit darin, regenerierte Ressourcen so wiederzuverwenden, dass dabei kein Qualitätsverlust zustande kommt. Kreislauffähige Produkte können entweder als Teil des Tech-Cycles (z.B. für Produkte aus recyceltem Polyester) oder als Teil des Bio-Cycles (z.B. Produkte aus Naturfasern wie Bio-Baumwolle oder Seide) zurück in den Kreislauf geführt werden. Um sicher gehen zu können, dass ein Kleidungsstück vollständig recycelt werden kann, muss es zudem entweder aus Monomaterial gefertigt sein (z.B. 100% Polyester), oder auf einfache Weise in die einzelnen Bestandteile zerlegt werden können, sodass die Einzelteile anschließend dem Tech- oder Bio-Cycle zugeführt werden können. Für kreislauffähige Kleidung ist es daher notwendig, bereits am Anfang in der Design Phase zu bedenken, was nach dem Gebrauch des Produktes damit geschieht.

 

​Illustrations © 2018 Ottavia Pasta

 


Älterer Post Neuerer Post


Hinterlasse einen Kommentar

Bitte beachte, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen