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Meet the Designer: Nadja, Gründerin von MAVOLU

Meet the Designer

Vor Kurzem haben wir uns mit Makerist zusammengeschlossen, einem Online Portal das sich auf Handarbeit und Nähen spezialisiert und Video Kurse sowie PDF Schnittmuster von unabhängigen Designern anbietet. Als Teil ihrer Nachhaltigkeitswoche haben wir gemeinsam einen Social Media Wettbewerb veranstaltet, und unsere Gründerin Nadja wurde von Úna Kehily interviewed. Das komplette Interview findet ihr weiter unten oder direkt auf der Seite von Makerist: http://blog.makerist.com/sustainability-week-meet-nadja-from-mavolu/

 

Als Teil unserer Nachhaltigkeitswoche bei Makerist haben wir uns mit MAVOLU zusammengeschlossen! Die Gründerin, Nadja, hat mit uns über ihr Interesse an nachhaltiger Mode, den Nähprozess, und ihre Tipps für eine nachhaltigere Lebensweise gesprochen. 

 

1. Kannst du uns ein bisschen über MAVOLU erzählen?

MAVOLU ist ein Online Portal für nachhaltige Mode und Accessoires aus innovativen Stoffen und Materialien. Dazu gehören zum einen Produkte die aus relativ neuen Fasern bestehen (z.B. Bananenfaser, Apfelleder, Piñatex und recyceltes PET), aber auch Fasern wie Hanf und Ramie, die es zwar schon seit längerer Zeit gibt, die nun jedoch auf Grund der wachsenden Nachhaltigkeitsbewegung wieder mehr an Beliebtheit gewinnen. Alle angebotenen Produkte werden sorgfältig ausgewählt und verfolgen ein gemeinsames Ziel: die derzeitige Auffassung von Materialismus und Konsum anzufechten und zu hinterfragen - sei es durch Faserherstellung aus “Abfallmaterial” oder gewaltfreie Produktionsweisen. Zwar sind innovative Fasern und Stoffe allein natürlich nicht die einzige Lösung um die Modeindustrie nachhaltiger zu gestalten, allerdings haben die Materialien mit denen wir als Designer arbeiten und welche wir als Konsumenten tragen natürlich trotzdem große Auswirkungen auf die Umwelt und die Menschen in der Lieferkette - und beeinflussen somit Landwirte, Weber, Näher und letztendlich auch uns Konsumenten. Ziel von MAVOLU ist es, Produkte anzubieten die sowohl nachhaltig auch als einzigartig sind, und sich gleichzeitig mit den Eigenschaften der einzelnen Fasern und Materialien kritisch auseinander zu setzen. 

 

2. Warst du schon immer an nachhaltiger Mode interessiert?

Mein Interesse an nachhaltiger Mode begann während meines Bachelor Studiums in ‘Fashion Business’. Zum einen hat mir der kreative und ausdrucksvolle Teil an Mode immer sehr gefallen, zum anderen fiel es mir jedoch auch schwer, die von der Modeindustrie geschaffenen Umweltprobleme und schlechten Arbeitsbedingungen zu akzeptieren. Daher habe ich beschlossen mich auf den Bereich der nachhaltigen Mode zu konzentrieren, und bin nach Berlin gezogen um ein Masterstudium in diesem Fachgebiet zu absolvieren. Während des Kurses habe ich ein großes Interesse an innovativen Materialien und der Erforschung ungewöhnlicher Fasern für die Modeindustrie entwickelt. Als Teil meiner Masterarbeit reiste ich nach Indien, um dort die Herstellungsprozesse von Peace Silk, Bananenfaser und Sojafaser zu erforschen und habe deren Eigenschaften und Nutzbarkeit für die Modeindustrie verglichen. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Erkenntnisse im Bereich von ungewöhnlichen Fasern und Textilien nach wie vor relativ limitiert sind, und dass man oft nur schwer an die notwendige Information rankommt. Daher habe ich beschlossen, ein Online Portal speziell für Materialinnovation zu gründen - inklusive einer Materialbibliothek mit kurzen Zusammenfassungen über die einzelnen Fasern, einem Blog mit ausführlicherer Information rund um die Themen Nachhaltigkeit und Textilien, sowie einem Online Shop, in dem die Produkte aus diesen jeweiligen Fasern dann letztendlich auch erhältlich sind. 

Dresses made from banana fibre, peace silk and soy fibre

 

3. Mir gefallen vor allem die Nachhaltigkeitskriterien sehr gut, kannst du uns erklären wie sie funktionieren?

Die Nachhaltigkeitskriterien sollen zum einen dazu dienen die Webseite übersichtlicher zu gestalten, und zum anderen die Auswirkungen der einzelnen Produkte innerhalb der Lieferkette und der Nutzerphase verdeutlichen. Eine Freundin hat die 12 verschiedenen Icons für jedes der einzelnen Kriterien erstellt, inklusive Eigenschaften wie “lokale Produktion”, “aus Abfall wird Wertvolles” und “gewaltfrei produziert”. Die Produkte auf MAVOLU haben alle sehr unterschiedliche Alleinstellungsmerkmale und die jeweiligen Designer versuchen auf ihre eigene individuelle Art und Weise, eine nachhaltigere Form des Konsums zu schaffen. Mit Hilfe der Nachhaltigkeitskriterien können die Kunden speziell die Produkte herausfiltern, die am meisten ihren eigenen Bedürfnissen und Werten entsprechen.

Sustainability criteria for MAVOLU

 

4. Wie entscheidest du, welche Produkte auf MAVOLU verkauft werden?

Ich versuche hauptsächlich weniger bekannte Designer und kleine Labels zu unterstützen. Abgesehen von der nachhaltigen Herstellung und den innovativen Materialien stehen vor allem auch Qualität, Ästhetik und Zeitlosigkeit im Vordergrund. Die Kunden sollen in der Lage sein, ein Kleidungsstück jahrelang zu tragen, ohne dass es auseinander fällt oder aus der Mode kommt. Zusätzlich versuche ich, eine möglichst vielfältige Mischung an lokalen Labels (z.B. das Hamburger Fair Fashion Label Jan ’n June) sowie innovativen Designern aus der ganzen Welt anzubieten - beispielsweise die Bananenfaser Geldbeutel von Green Banana Paper, welche unter fairen Arbeitsbedingungen in Mikronesien hergestellt werden.

  

 

5. Stellst du einige Produkte auch selbst her und falls ja, macht dir der Prozess Spaß?

Ja, einen kleinen Teil der Produkte auf MAVOLU stelle ich selbst her. Momentan sind das hauptsächlich Artikel im Bereich Home & Deko, wie zum Beispiel Kirschkernkissen, aber auch ein paar Tops. Die Kirschkernkissen habe ich erstmals vor circa eineinhalb Jahren in der Weihnachtssaison angeboten, und war überrascht dass sie sich zu einer Art Verkaufsschlager entwickelten; wahrscheinlich da sie nicht nur als Geschenkidee ideal sind, sondern auch eine tolle natürliche Alternative zur Wärmflasche darstellen - man kann die Kissen einfach kurz in der Mikrowelle oder im Ofen erhitzen und sie dann perfekt zur Behandlung von Nackenverspannungen, Kopf- oder Bauchschmerzen verwenden. Letzten Herbst habe ich dann außerdem begonnen mit Batik zu experimentieren und die Seide für die Kirschkernkissen mit Herbstlaub einzufärben, was wiederum einen schönen natürlichen Blätteraufdruck auf dem Stoff hinterlassen hat. Zusätzlich dazu sehe ich mich ständig nach neuen interessanten Stoffen für die Kissen um - ganz neu zum Beispiel eine Mischung aus recyceltem Hanf und Bio-Baumwolle. Und ja, der Nähprozess macht mir sehr viel Spaß ist zudem eine willkommene Abwechslung zur Arbeit am Laptop. Zusätzlich zu den Kirschkernkissen plane ich außerdem, in Zukunft wieder mehr Kleidung zu designen, welche dann auch online erhältlich sein wird.

Thermal cushion RIGA made from ramie

Thermal cushion AUTUMN made from peace silk with naturally bundle-dyed leave print

Thermal cushion made from recycled hemp and organic cotton

 

6. Was sollten Konsumenten deiner Meinung nach beachten wenn sie Produkte kaufen, und wie kann ein jeder von uns die nachhaltige Modeszene unterstützen?

Vor allem jetzt ist es wichtiger denn je, kleine Firmen und Designer zu unterstützen, die während dieser globalen Pandemie zu kämpfen haben. Und während ich mich selbstverständlich sehr über jeden einzelnen Verkauf durch den Online Shop freue, finde ich es dennoch wichtig dass wir wirklich nur Sachen kaufen, die wir auch wirklich brauchen, und unser Geld in hochwertige Artikel investieren, die jahrelang genutzt oder getragen werden können. Die Herstellungsweise eines Produktes zu hinterfragen ist ebenso wichtig. Im Bereich von Stoffen und Textilien sind Zertifikationen wie GOTS (Global Organic Textile Standard) sehr hilfreich - somit kann man sicher sein dass die Vorschriften während der gesamten Herstellungskette eingehalten wurden, angefangen von der Faserherstellung bis hin zum fertigen Kleidungsstück. Zusätzlich dazu ist es schön zu sehen, dass immer mehr Leute wieder selbst Kleidung nähen, und dass sowohl Second Hand als auch Kleidertausch-Events immer beliebter werden - die man übrigens auch einfach unter Freunden organisieren kann, was super viel Spaß macht! Und zu guter Letzt ist es natürlich immer besser, bereits vorhandene Kleidungsstücke aufzupeppen oder zu reparieren, statt sie direkt wegzuwerfen. Denn die nachhaltigste Mode ist nach wie vor die, die bereits in unserem Kleiderschrank hängt!

Cupro bodysuit Cossac


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