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Stoffe aus Lebensmittelresten: Sojafaser für Mode und Textilien

Soy fibre

Obwohl Soja nach wie vor eine recht unbekannte Faser für Textilproduktion ist, fanden die ersten Forschungsversuche für Sojafaser bereits in den 1940er Jahren in Japan und 1945 in den USA statt. Die Faser wurde schon damals erfolgreich hergestellt, aber dennoch nicht kommerziell produziert. Einer der Gründe dafür war der Aufstieg von Petroleum, was nicht zuletzt auf Grund der kostengünstigen Produktionsweise zu einer der am häufigsten genutzten Ressourcen für synthetische Textilien wurde. Zusammen mit dem wachsenden Umweltbewusstsein und dem Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit steigt jedoch auch das Interesse an alternativen Fasern, inklusive Sojafaser, wieder zunehmend.

Soy plant / SojapflanzeSojafaser wird aus den Beiprodukten der Sojaverarbeitung und Tofu-Herstellung produziert. Sie zählt zu den Zellulosefasern - es ist also ein chemischer Prozess nötig, um die Pflanze in brauchbares Garn zu verwandeln. Die hierfür benötigen Chemikalien werden in den meisten Fällen öfter als einmal benutzt, wodurch die Produktion immerhin annähernd kreislauffähig ist. Um Sojafasern zu produzieren wird die Sojabohne durch Hitze, Alkalien und Enzyme in ihre Bestandteile zerlegt und anschließend gefiltert und in lange Stränge gesponnen. In manchen Fällen wird Formaldehyde als Bindungsmittel genutzt um die einzelnen Fasern zu strecken und einen faltenfreieren Stoff zu erhalten. In diesen Fällen ist der Produktionsprozess natürlich weder umweltfreundlich, noch ungiftig für die Arbeiter, da Formaldehyde als krebserregend eingestuft ist. Um Sojafaser auf ungiftige Art und Weise herzustellen sollten daher andere Reagenzien als Bindemittel zum Einsatz kommen, die kein Formaldehyde enthalten.

Soy beans / SojabohnenSojafasern haben eine Reihe von positiven Eigenschaften gegenüber anderen Materialien. Auffällig ist die sehr weiche Textur, weshalb die Faser auch oft mit Seide verglichen und manchmal sogar als  “Sojaseide” bezeichnet wird. Gleichzeitig ist Sojafaser aber deutlich günstiger als Seide und zudem sehr langlebig und pflegeleicht. Stoff aus Sojafaser besitzt eine bessere Saugfähigkeit als Baumwolle und ist gleichzeitig atmungsaktiver. Die Faser besitzt eine perfekte Mischung an mechanischen Eigenschaften und vereint die positiven Merkmale von natürlichen Fasern (z.B. hohe Feuchtigkeitsaufnahme, Luftdurchlässigkeit, Weichheit) mit denen von synthetischen Fasern (z.B. hoher Knitterschutz und kurze Trockendauer). Sojafaser ist zudem gut für den menschlichen Körper, da es 18 verschiedene Amino Säuren enthält die sich positiv auf die Haut auswirken. Die Faser wird aus einem günstigen Rohstoff produziert der zudem auch noch sehr weit verbreitet ist, und kann daher auf sehr kosteneffektive Weise hergestellt werden.

Soy protein fibre / SojafaserAber abgesehen von den vielen positiven Eigenschaften hat die Produktion von Sojafaser auch einige negative Aspekte. Der Großteil von Soja (circa 70%) kommt momentan aus China, wo der Anbau von genmanipuliertem Soja nichts ungewöhnliches ist. Zusätzlich dazu verbraucht die Kultivierung von konventionellem Soja sehr viel Wasser und Pestizide. Auch die Abholzung von Regenwäldern für den Anbau von Soja ist nichts neues - dadurch werden nicht nur extreme umwelttechnische Veränderungen herbeigeführt, sondern auch Lebensraum zerstört. Allerdings dienen circa 75% des angebauten Soja zur Fütterung von Nutztieren - was wiederum bedeutet dass wir vor allem das derzeitige System der Massentierhaltung ändern müssen, wenn wir die negativen Auswirkungen des Sojaanbaus verringern wollen. Sojafaserproduktion zieht hingegen Nutzen aus einem Beiprodukt, welches andernfalls als Abfall enden würde.

Soy bean jersey fabric / Sojafaser StoffDoch wie auch bei anderen Materialien folgt jeder Hersteller seinen eigenen Produktionsmethoden, und ohne eine klare Zertifizierung oder transparente Produktionsketten fällt es sehr schwer, Sojafaser als “nachhaltig” oder “unnachhaltig” einzustufen. Da die Faser aus einem Beiprodukt gewonnen wird verbraucht sie selbstverständlich weniger Ressourcen als andere Materialien. Wenn also ausschließlich umweltfreundliche Hilfsmittel für die Produktion der Faser verwendet werden, dann kann Sojafaser in der Tat als nachhaltigere Alternative zu synthetischen Fasern oder konventioneller Baumwolle gesehen werden, da diese wiederum sehr viel mehr auf die Verwendung von natürlichen Ressourcen angewiesen sind.


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  • Aparajita Pal am

    Soy silk fibre to be used in bedding


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